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Unternehmensdaten für KI-Training lizenzieren: der Leitfaden für europäische Unternehmen

Von Francesco Wiedemann und Peter Meier · · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Bei der Lizenzierung von Unternehmensdaten für KI räumen Sie einem KI-Entwickler das Recht ein, Modelle mit einem Datensatz zu trainieren oder zu evaluieren, mit festgelegtem Umfang und klaren Einschränkungen.
  • Am meisten zahlen KI-Labore für vollständige Aufzeichnungen echter Arbeit: wie ein Team eine Aufgabe über mehrere Tools hinweg erledigt, mit Korrekturen und sichtbarem Ergebnis.
  • Daten, die Sie im Auftrag Ihrer Kunden verarbeiten, sind ohne deren Zustimmung nicht lizenzierbar; Ihre eigenen Betriebsdaten meist schon, sobald Rechtsgrundlage, Betriebsrat und Geschäftsgeheimnisse geklärt sind.
  • Eine Lizenz beginnt typischerweise mit einer einmaligen Zahlung für bisherige Daten und kann als laufender Erlös für neu entstehende Daten weitergehen.

Warum KI-Labore für Unternehmensdaten zahlen

Große Sprachmodelle wurden mit einem Großteil des öffentlichen Internets trainiert. Was fehlt, sind Aufzeichnungen darüber, wie professionelle Arbeit tatsächlich abläuft: eine Preisentscheidung, die vom Chat-Verlauf über die Prüfung durch Finance bis zum aktualisierten CRM-Eintrag läuft; ein IT-Ticket, das diagnostiziert und gelöst wird; eine Codeänderung, die das Review besteht. Genau das brauchen KI-Labore, um KI-Agenten zu trainieren und zu testen, die in echten Business-Tools arbeiten.

Unternehmen erzeugen diese Aufzeichnungen täglich als Nebenprodukt des laufenden Geschäfts. Wir nennen das Operational Exhaust. Anders als öffentliche Webtexte sind diese Daten knapp, zeigen mehrstufige Arbeit mit Ergebnis und lassen sich nicht im Netz einsammeln. Deshalb sind sie zu einem lizenzierbaren Wert geworden.

Welche Unternehmensdaten sich eignen

Am wertvollsten sind Daten, die einen vollständigen Arbeitsvorgang über mehrere Tools zeigen, inklusive Fehlern, Korrekturen und Ergebnis. Einzelne Datensätze, Daten ohne Ergebnis und bereits öffentliche Inhalte sind deutlich weniger wert.

DatenartTypische ToolsWarum Labore sie schätzen
Vertrieb und PreiseCRM, E-Mail, Team-ChatEntscheidungen mit Freigaben und messbarem Ergebnis
Finanzen und OperationsERP, TabellenRegelbasierte Abläufe mit Ausnahmen
Engineering und ProduktGitHub, GitLab, Jira, LinearIssues, Codeänderungen, Reviews und Incidents
Interne IT und HelpdeskTicketsystemeDiagnose und Lösung, Schritt für Schritt
Wissen und ProzesseWikis, DokumenteWie Verfahren tatsächlich genutzt werden
KI-Agent-TracesCopilots, eigene AgentenTool-Aufrufe mit menschlichen Korrekturen

Was sich nicht lizenzieren lässt

  • Daten, die Sie im Auftrag Ihrer Kunden verarbeiten. Alles, was unter einen Auftragsverarbeitungsvertrag fällt, dient den Zwecken Ihrer Kunden, nicht Ihren.
  • Daten, an denen Ihnen die Rechte fehlen, etwa Inhalte Dritter unter einschränkenden Lizenzen.
  • Alles, was Sie ausschließen möchten. Eine Lizenz wird Quelle für Quelle und Zeitraum für Zeitraum festgelegt.

Was vorher zu klären ist

Ob und welche Daten lizenziert werden können, wird pro Datenquelle entschieden, nicht pauschal. Vier Fragen stellen sich fast immer:

  1. Rechtsgrundlage nach DSGVO. Personenbezogene Daten in Unternehmensunterlagen brauchen eine Rechtsgrundlage für den neuen Zweck. Auch die Anonymisierung ist selbst ein Verarbeitungsschritt, der eine braucht. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu DSGVO und KI-Trainingsdaten.
  2. Betriebsrat. Sind Beschäftigtendaten betroffen, können Mitbestimmungsrechte greifen und eine Betriebsvereinbarung nötig werden.
  3. Rechte von Kunden und Dritten. Verträge werden geprüft, damit nur Daten einfließen, über die Sie verfügen.
  4. Geschäftsgeheimnisse. Vertrauliche Details werden entfernt oder verallgemeinert, bevor etwas lizenziert wird.

So läuft die Lizenzierung ab

  1. Eignung prüfen. Ein kurzer Check zeigt, ob Ihr Team und Ihre Tools relevante Daten erzeugen. Es werden keine Daten hochgeladen.
  2. Klären. Gemeinsam werden Rechtsgrundlage, Betriebsrat, Kundenverträge und Geschäftsgeheimnisse geprüft. Sie entscheiden, was dabei ist.
  3. Anonymisieren und veredeln. In der EU werden Namen ersetzt, Details verallgemeinert oder entfernt und das Ergebnis geprüft. Danach werden die Daten zu Trainingsaufgaben strukturiert.
  4. Lizenzieren und verdienen. Der veredelte Datensatz wird an KI-Entwickler lizenziert. Sie erhalten eine erste Zahlung für Ihre bisherigen Daten und laufende Erlöse, wann immer Daten aus Ihrem fortlaufenden Datenstrom lizenziert werden.

Ihr Aufwand hängt von den Datenquellen ab. Bei strukturierten Daten ohne Kommunikation sind es typischerweise wenige Stunden. Sind Beschäftigtendaten oder Kommunikation betroffen, können Schritte wie eine Betriebsvereinbarung, eine Interessenabwägung und die Information der Mitarbeitenden hinzukommen.

Was Unternehmensdaten wert sind

Der Wert hängt davon ab, wie selten, vollständig und aktuell die Daten sind, wie viele Tools sie verbinden, wie viele es gibt und welche Rechte Sie einräumen. Anbieter in diesem Markt nennen Spannen von einigen zehntausend bis zu mehreren Millionen US-Dollar pro Deal. Bei IsarTrust starten wir eine Lizenz nur, wenn sie Ihrem Unternehmen mindestens 20.000 € einbringt.

Worauf Sie bei der Wahl eines Partners achten sollten

  • Wo werden Rohdaten verarbeitet, und wer hat Zugriff darauf?
  • Wie wird anonymisiert und geprüft, und können Sie vor der Lieferung eine Stichprobe prüfen?
  • Wird Ihr Unternehmen gegenüber Käufern genannt, oder wird der Datensatz unter einem Codenamen geliefert?
  • Ist der Partner selbst Lizenzgeber (Veredeln und Lizenzieren) oder ein Marktplatz, der Sie direkt mit Käufern verbindet?
  • Wie sind die Zahlungen aufgebaut: einmalig, laufend oder beides?

Einen Überblick über die Anbieter gibt unser Vergleich der Anbieter für Datenlizenzierung.

Sie möchten wissen, ob sich die Daten Ihres Unternehmens eignen? Der Eignungs-Check dauert etwa eine Minute und braucht keinen Daten-Upload.

Häufige Fragen

Verlieren wir das Eigentum an unseren Daten?

Nein. Lizenziert wird eine vereinbarte, anonymisierte Kopie für festgelegte Zwecke. Ihre Originaldaten und das Eigentum daran bleiben bei Ihnen.

Können wir Daten lizenzieren, die Kundeninformationen enthalten?

Daten, die Sie im Auftrag Ihrer Kunden im Rahmen eines Auftragsverarbeitungsvertrags verarbeiten, sind ausgeschlossen. Ihre eigenen Betriebsdaten lassen sich in der Regel lizenzieren, sobald sie geklärt und anonymisiert sind.

Gibt es eine Mindestgröße für Unternehmen?

Eine formale Mindestgröße gibt es nicht, aber ab etwa zehn Personen erzeugt ein Team meist genug verknüpfte Daten, um relevant zu sein.

Sind die Daten Ihres Unternehmens lizenzierbar?

Drei Fragen, etwa eine Minute, kein Daten-Upload.

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